10.000 Hz Legend
von Air


 
Rezensionen:
Im Frühjahr 1998 verblüfften zwei Franzosen die Musikszene. Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel alias Air spielten elegischen TripHop, der leicht wie Luftschokolade daherkam. Am Ende des Jahres standen Air mit ihrem DebütMoon Safariin allen Polls auf den oberen Plätzen und eine Million Platten waren verkauft. 1999 blieben Air fast stumm, veröffentlichten das ReissuePremiers Symptomeseine Mini-LP, bestückt mit raren, frühen Singles. Als Bonbon gab es zwei neue Songs, die etwas rauher klangen als das Material aufMoon Safari

Auf der InterimsplatteThe Virgin Suicideskomponierten Air den Soundtrack zum gleichnamigen Film und tauchten dabei tief in die musikalische Welt der Siebziger, in denen der Film auch spielt. Die lockere Leichtigkeit war dahin, Air pendeln zwischen Progressiv-Rock, gediegenen Sounds mit einer latenten Schwülstigkeit. Häufig erweckt das Erinnerungen an die Musik zum SoftpornoBilitisoder frühes Material von Camel. Das ging soweit in Ordnung, da die Platte nicht als Air-Produkt sondern Filmmusik bewertet werden muss. Für10000 Hz Legendaber können keine Ausreden herhalten und das zweite reguläre Werk der Franzosen hätte einige nötig. Der Opener "Electronic Performers" ist ja noch eine wunderbar ausgetüftelte und doch zugängliche Elektronik-Hymne. Direkt im Anschluss folgt "How Does It Make You Feel", und das Lied stimmt einen nicht gerade fröhlich. Klingt, als würden Camel durch einen Pomadefluss waten, und am Ufer singen obendrein noch die Engel.

Allmählich kommt die Befürchtung auf, dass Air unter die Latte springen, die sie mitMoon Safariauf Weltrekordhöhe legten. Jedenfalls ist "Radio #12" nicht der Sender des Vertrauens, aber im Anschluss bringt "The Vagabound" deutliche Linderung. Der Song ist ein kleiner Country-Blues, der so nur von Franzosen komponiert werden konnte und der zudem von der Stimme des Gastsängers getragen wird: Beck! Der US-Indie-Star traf Air in Los Angeles, wo das in Paris eingespielte Album seinen Feinschliff und die opulenten Streicherpassagen erhielt. Becks zweiter Gastauftritt findet auf der von psychotischen Sounds garnierten Up-Tempo-Nummer "Don't Be Light" mit einer Spoken Word-Einlage statt. Zwischen diesen beiden Höhepunkten des Albums liegen Tracks mit allen Air-typischen Merkmalen: leicht und doch melancholisch, fließend und doch mit einigen Skurrilitäten versehen. Diesmal aber fehlen Nachdruck und Langzeitwirkung, Air haben mit10000 Hz Legendnichts falsch gemacht, allerdings machten sie aufMoon Safariim Gegensatz alles richtig.--Sven Niechziol

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