Kulturgeschichtliche Pionierarbeit
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(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Weltgeschichte der Zahlen (Broschiert) "Ex occidente lux....."

Für die wohl meisten Europäer sind die Dezimalzahlen eine natürliche Gegebenheit. Tatsächlich waren und sind auf der Welt jedoch auch Fünfer-, Zwölfer, Zwanziger- oder Mischsysteme in Gebrauch. Die sogenannte "Ethnomathematik" offenbart eine Vielzahl von Zahlweisen, die sich im Laufe der Zeit in den unterschiedlichen Kulturen entwickelt hat....

....und die Kulturgeschichte der Zahlen zu weitaus mehr macht, als eine bloße Historie von Zählweisen und Rechenmethoden. Über ihren eigenen "Wert" hinaus, kommt den Zahlen in allen Kulturen auch eine symbolische, wenn nicht sogar eine geheime Bedeutung zu. Neben Glück und Unheil verheißenden Zahlen gibt es solche, die eine bestimmte magische, mythologische oder sakrale Bedeutung besitzen. Der Umgang mit Zahlen setzt abstraktes Denken voraus, das sich aufgrund archäologischer Befunde bereits für den Homo erectus nachweisen lässt und damit älter ist als das kulturelle Schaffen des modernen Menschen, des Homo sapiens sapiens. Lange vor Erfindung der Schrift, bereits im Jungpaläolithikum wurden "kalendarische Notizen" in Form von Kerbzeichen in Knochen geschnitten. Mit der Verbreitung der Schrift in den technologisch entwickelten Gesellschaften der Antike wurde auch die Notation der Zahlen sukzessive sytematisiert. Ausgeklügelte Systeme zur Zahlenschreibung und komplexe Kalender entstanden nicht nur in Mesopotamien und Ägypten, sondern auch an anderen Orten der Erde, wie in China oder dem präkolumbianischen Amerika. Kulturelle Einflüsse und technische Inovationen entschieden zwischen Bestand und Weiterentwicklung eines Systems oder führten zu seinem Untergang.

Die bisher ausschließlich von Mathematikern geschriebene "Geschichte der Zahlen" beschränkte sich auf kulturgeschichtliche Exkurse, die eher anekdotenhaft und vor allem unsytematisch waren. Kulturwissenschaftler die sich mit dem Thema befassten, beschränkten sich hingegenauf eine bestimmte Region, Epoche oder symbolische Bedeutung. Mit seiner "Weltgeschichte der Zahlen" hat der international renomierte und mutidisziplinäre Sprachforscher Dr. phil. habil. Harald Haarmann erstmals eine Publikation vorgelegt, die einerseits einen recht weiten Überblick über die Geschichte des Zählens und Rechnens, andererseits aber bisher auch kaum beachtete und exotische Gesichtspunkte berücksichtigt. Den thematischen Bogen spannt er über zehn Kapitel von der Altsteinzeit bis zum binären System der heutigen Computerwelt. Von den durchweg interessanten Themen sollen einige genannt sein: Die symbolischen Konnotationen der Zahlen 1 bis 13 (Seite 16 ff.), die Schnurtechnik der Andenregion (S. 69), die hebräische Zahlenmystik (S. 88 ff.) und natürlich auch der Weg der indisch-arabischen Ziffern (insbesondere der "Null") nach Europa (S. 88). Im Kapitel "Die frühen Hochkulturen der Alten Welt" (S. 74) macht Haarmann wie in seinen früheren Publikationen "Geschichte der Sintflut: Auf den Spuren der frühen Zivilisationen", "Geschichte der Schrift" und "Einführung in die Donauschrift" einmal mehr deutlich, dass die untergegangene Donauzivilisation bereits anderthalb Jahrtausende vor den Hochkulturen Ägyptens- und Mesopotamiens bestanden hatte. Die einzelnen Themen werden mittels einer Reihe von Tabellen, Synopsen und anderen Abbildungen systematisiert. Als Zusatzmaterialien erwarten den Leser am Ende des Bandes noch drei Seiten Literaturhinweise, ein Register und eine gelungene Übersicht über "Das Verhältnis von Zahlenbegriff, Zahlenwort und geschriebenem Zahlzeichen im kulturellen Wandel."

Der zur Beck'chen Reihe Wissen gehörende Band wird nicht nur seinem wissenschaftlichen Anspruch gerecht, er ist zudem auch für Laien verständlich geschrieben. 5 Amazonsterne für Haarmanns Pionierarbeit.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. Dezember 2010
Kundenrezensionen:
2. Geschichte der Zahlen - als spannende Unterhaltung
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