Der Politik aufs Maul geschaut: Kleines Wörterbuch zum öffentliche Sprachgebrauch


 
Ein Buch gegen die Volksverdummung.
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der Politik aufs Maul geschaut: Kleines Wörterbuch zum öffentliche Sprachgebrauch (Broschiert) In dem Buch geht es um Missbrauch. Nicht um Drogenmissbrauch, Amtsmissbrauch oder Sozialmissbrauch. In dem Buch geht es um den »Missbrauch« von Sprache und den »Missbrauch« von Begriffen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und den Medien.

Sprache wurde zwar auch in totalitären Staaten wie der ehemaligen DDR und dem Dritten Reich missbraucht. Der Autor nimmt auf den ersten beiden Seiten des Buches daher auch die NS-Vokal »artfremd« unter die Lupe, auf den verbleibenden Seiten geht es aber um bekannte Begriffe, die der heutigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Debatte der demokratischen Bundesrepublik Deutschland entstammen und in vielen Sonntagsreden, Bundestagsansprachen, Leitartikeln und TV-Talkshows verwendet werden.

Darunter finden sich nicht nur Begriffe wie Bierdeckel, Bilanz, Elite, Experte, Fortschritt, Geiz, Gewissen, Gutmensch, Ideologie, Leistungsträger, Moral, Schwabe, Sparen, Modernisierung, Verantwortung und (Wirtschafts)Wachstum, sondern auch das Wort »Staatsquote« .

Wer daran zweifelt, dass der Markt immer klüger sei als die Politik, schreibt der Autor, wer - wie die Mehrheit der Deutschen - inzwischen keinen Zweifel mehr daran hat, dass es in diesem unserem Lande ausgesprochen ungerecht zugeht, ungerechter denn je, dem wird sofort die "Staatsquote" an den Kopf geworfen. Diese sei schließlich hoch genug, viel zu hoch, sagen die Marktradikalen und Volksverdummer.

Diese »Staatsquote« wird allgemein definiert als das Verhältnis der gesamten öffentlichen Ausgaben zum Sozialprodukt (i.d.R. gemessen am BIP). Die Staatsquote gibt also an, wie viel Prozent der wirtschaftlichen Wertschöpfung eines Landes durch öffentliche Kassen fließen, seien es die Haushalte der Kommunen, der Länder und des Bundes oder die verschiedenen Zweige der Sozialversicherung wie der Rentenversicherung.

Neben der Tatsache, dass die Staatsquote im Jahr 2008 in Gesamtdeutschland mit rund 43 Prozent niedriger war als in Westdeutschland vor der Wiedervereinigung(Quelle: OECD, Economic Outlook 84, Paris 2008), führt der Autor dann verschiedene Argumente und geradezu einfache Überlegungen ins Feld, die gewöhnlich unter den Stammtisch der Volksverdummer fallen:

Wenn der Staat zum Beispiel aus den Steuermitteln der Allgemeinheit Kindergeld zahlt, dann steigt die Staatsquote logischerweise. Unterstützt der Staat die Familien dagegen durch Kinderfreibeträge, dann sinkt die Staatsquote, denn der Staat nimmt ja weniger Steuern ein und gibt weniger aus. Dabei unterscheiden sich die beiden Maßnahmen allerdings deutlich in ihren Effekten: Vom Freibetrag profitiert die Familie eines Spitzenverdieners durch die Progression weit mehr als die Familie eines Normalverdieners. Und wer als Geringverdiener ein Einkommen hat, das den Grundfreibetrag nicht übersteigt, hat rein gar nichts vom Freibetrag. Beim Kindergeld profitieren Geringverdiener und Normalverdiener gleichermaßen, wenn nicht sogar mehr als ein Spitzenverdiener oder Einkommensmillionär. Für Familien mit einem Haushaltseinkommen von 2.000 oder 3.000 Euro netto im Monat haben sind 164 Euro Kindergeld etwas anderes als für sog. "Leistungsträger", die monatlich 20.000 oder sogar 200.000 Euro netto verdienen.

Wenn die Zahl der Altersrentner und deren Lebenserwartung steigt und damit die Ausgaben dafür, dann steigt die Staatsquote ebenfalls. Zeigt sich darin aber die Maßlosigkeit und Verschwendung der Staates, zumal der Staat - sieht man von den Milliarden versicherungsfremder Leistungen ab, bei denen der Staat tatsächlich "umverteilt" - diese Zahlungen letztlich nur organisiert?

Auch dann, wenn die Medizin in der Lage ist, mehr Krankheiten zu heilen oder zu lindern als früher und dadurch der Anteil der Gesundheitskosten am Sozialprodukt steigt, erhöht sich die Staatsquote. Bedeutet dies aber, dass der Staat ein gefräßiges Monster ist? Andererseits hat ein hohes Wachstum der Gesundheitsausgaben nicht zwangsläufig zur Folge, dass das Volk immer gesünder wird (siehe dazu Ausführungen zum Schlagwort "Wachstum").

In den letzten 20 Jahren sind noch nie so viele Stadtwerke privatisiert worden wie zuvor. Sind dadurch etwa auch die Stromkosten für die Verbraucher gesunken oder hat sich dadurch die Lebensqualität der Menschen erhöht?

Und warum sind skandinavische Länder mit einer hohen Staatsquote wirtschaftlich erfolgreicher als viele südeuropäische Länder mit niedrigerer Quote? Warum, ja warum ist in Schweden, Finnland, aber auch in Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Österreich das Pro-Kopf-Einkommen höher und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit niedriger als in Deutschland, obwohl die genannten Länder eine höhere Staatsquote haben als Deutschland? Die Staatsquote Schwedens war 2007 mit 51 Prozent sogar um mehr als 7 Prozentpunkte höher als die Staatsquote Deutschlands und das, obwohl die Schweden keine Wiedervereinigung schultern müssen und die Bürger keinen Solidaritätszuschlag zahlen.

Der Autor kommt daher, was die Staatsquote angeht, abschließend zu dem Ergebnis: "Die Staatsquote ist eine statistische Zahl, hinter der sich sehr Unterschiedliches verbergen kann. Als politisches Argument taugt sie nicht. Als politische Zielgröße auch nicht. Aber sie lässt sich eben wunderbar missbrauchen." (Eppler, S. 169)

Auch die verbleibenden 46 Schlagwörter werden vom Autor auf diese Weise fast schon zu sachlich unter die Lupe genommen. Zuweilen wünscht man sich daher von einem Germanisten etwas mehr sprachlichen "Biss". Hilfreich wäre aber in jedem Fall ein kleines Stichwortverzeichnis gewesen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Oktober 2009
Kundenrezensionen:
3. Das muß man gelesen haben
2. Denkanstöße
1. Ein Buch gegen die Volksverdummung. (die aktuell angezeigte Rezension)
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Der Querdenker Erhard Eppler: Eine Bi...
Auslaufmodell Staat? (edition suhrkamp)
Als Wahrheit verordnet wurde: Briefe an meine E...
Herrschaft durch Sprache. Politische Rede...
Associated Press-Handbuch. Journalistisches Sc...
2direct Adapter USB to Parallel Konverter USB-paralle...
Mehr zu  Politik,  Politik & Geschichte
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)