Ein kleines Meisterwerk aus einer archaischen Welt und der tragische Befreiungsversuch einer jungen Frau
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Wir befinden uns auf einer arktischen Insel im hohen Norden Kanadas in einer Siedlung namens Koukdjuak. Die Menschen dort leben seit Generationen von der Jagd und vom Fischfang, bis eine "Fabrik" dort eröffnet wird, die vor allem den Männern Arbeit und Brot gibt. Sie hat keinen Namen, diese Fabrik, aber bald wird deutlich, daß dort giftige und hochradioaktive Stoffe bearbeitet und verbrannt werden. Schiffe kommen mitten in der Nacht und entladen ihre lebensgefährliche Last und fahren lautlos wieder ab.

Die Fabrik verändert die jahrhundertealten Traditionen der Menschen in Koukdjuak. Der Alkohol und die Prostitution halten Einzug. Doch erst als das "Große Unglück" passiert, kommen sie etwas ins Nachdenken. Nikko, die Ich - Erzählerin dieses kleinen, aber wundervollen Romans überlebt als einziges Kind. Alle anderen Babys die damals geboren wurden, sterben nach wenigen Monaten oder Jahren.

Nikkos Vater, mittlerweile dem Alkohol verfallen, ist für die Eisstraßen verantwortlich und Nikko begleitet ihn oft bei dieser Arbeit und lernt viel. Doch eines Tages ertrinkt eine ganze Familie, weil Nikkos Vater geschlampt hat. Daraufhin verschwindet der Vater spurlos.

Nikko muß seit dem Unglück jeden Tag drei Pillen nehmen, die vom Festland geliefert werden, doch nachdem ihr Vater verschwunden ist, fängt sie an, diese Pillen zu vergraben.

Eines Tages kommt ein Mann ins Dorf. Er nennt sich Paul C. und ist irgendein Umweltaktivist, der versuchen möchte, den Leuten dort zu helfen und die näheren Umstände des lange zurückliegenden Unglücks in der Mülldeponie aufklären und den Menschen zu Schadensersatz verhelfen möchte. Doch er dringt nicht wirklich zu den Menschen durch, auch nicht, als diese sich an einen Major erinnern, der vor vielen Jahren schon einmal Licht ins Dunkel bringen wollte, und dabei sein Leben ließ.

Die einzige Möglichkeit, von diesem verfluchten und vergifteten Ort wegzukommen, ist für Nikko eine Beziehung zu einem der blonden Arbeiter in der Fabrik. Sie wird von einem von ihnen schwanger und bringt ein Kind zur Welt, bei dem sich bald schwerste Behinderungen zeigen, Folge ihre eigenen Verseuchung nach dem großen Unglück. Nun will ihr Mann von einer Übersiedlung auf das Festland nichts mehr wissen und Nikko nimmt die Sache in ihre eigenen Hände. Sie flieht eines Nachts zusammen mit ihrem Kind über eine der Eisstraßen, als plötzlich ein Blizzard aufkommt....

Véronique Ovaldé hat mit diesem Roman ein kleines Meisterwerk geschaffen, das vor dem Hintergrund einer großen Umweltkatastrophe von einer archaischen Welt erzählt und von dem tragischen Befreiungsversuch einer jungen Frau.
Eine Rezension von Winfried Stanzick > Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland
vom 15. August 2007
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