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| Weltgeschichte der Sprachen: Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart
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Ein "glottologisches" Standardwerk neu aufgelegt
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Weltgeschichte der Sprachen: Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart (Broschiert) "Est etiam sermo societatis humanae instrumentum....." (J. L. Vives, katalanischer Philosoph und Humanist)
Harald Haarmans "Weltgeschichte der Sprachen" istin seiner ersten Auflage bereits im September 2006 erschienen. Der multidisziplinäre Philologe fast hierin Erkenntnisse seiner früher erschienenen Werke "Kleines Lexikon der Sprachen: Von Albanisch bis Zulu (2001), Lexikon der untergegangenen Sprachen (2002),Kleines Lexikon der Völker: Von Aborigines bis Zapoteken (2004) und Lexikon der untergegangenen Völker: Von Akkader bis Zimbern (2005) zur Darstellung seiner globalen Glottogenese zusammen.....
.....wobei er in seiner Einleitung auch die Risiken eines solchen Überblicks einräumt. Obgleich er den Schwerpunkt der systematischen Abhandlung auf die letzten 10.000 Jahre setzt, gibt es zu vielen Entwicklungen, insbesondere den sehr frühen, empirisch kaum faßbaren, die unterschiedlichsten Theorien und Hypothesen. Die wichtigsten werden in diesem Buch vorgestellt, vor allem auch dann, wenn sich noch keine weitgehend einheitliche Lehrmeinung zu einer Frage herausgebildet hat. Haarmann weist jedoch auch darauf hin, dass eine derart breit angelegte Betrachtung auch Chancen biete, denn nur wenn man in evolutionsgeschichtlicher perspektive die Bedingungen für die Entstehung und Entwicklung von verbaler Kommunikation begreift, kann man auch die Weltgeschichte der Sprachen nachvollziehen. Nach einer "pragmatischen Definition" auf dieFrage "Was ist eine Sprache?" schließt der Autor seine Einleitung mit einer kurzen Vorstellung der historischen Sprachforschung und den Überlegungen "Vom Zufall der Sprachentwicklung".
Haarmanns "Weltgeschichte der Sprachen" hält sich an chronologische wie geographische Entwicklungslinien. Beginnend bei den Anfängen der Sprachfähigkeit der Hominiden über die Ausbreitung menschlicher Populationen "out of Africa" in den Nahen Osten, von dort nach Europa und Südasien, weiter nach Neuguinea, Australien, in das östliche Sibirien und auf den amerikanischen Doppelkontinent, erst im 10. nachchristlichen Jahrhundert nach Neuseeland, bis hin zur Ausgliederung in regionale Zweige und Einzelsprachen, unserer heutigen Sprachenwelt. "Die Anfänge der Sprachrevolution" ist das erste von insgesamt zehn Kapiteln. Die symbolische und verbale Kommunikation früher Menschen gepaart mit Sprachfähigkeit und Identitätsfindung wurde schließlich zu einem kulturellen Motor für die Menschheit. Aus der Protosprache des Neandertalers entwickelte sich die komplexe Sprache des Homo sapiens. Haarmann nennt die Konstruktionspläne und Baumaterialien von Sprachen. Für die mögliche Ausdrucksvielfalt in einer bestimmten Umwelt gibt er unter "Schnee ist nicht gleich Schnee" ein Beispiel aus dem Inari-Saamischen, das für den gefrorenen Niederschlag einundzwanzig (!) verschiedene Worte kennt, die seinen Zustand näher beschreiben. Kapitel 2 und 3 befassen sich mit Afrika und Eurasien, bzw. Australien, Sibirien und die Neue Welt. Hierzu gibt es unter anderem Karten, die die Ausbreitung des modernen Menschen aufzeigen und Schemata zur Ausgliederung menschlicher Populationen und Sprachen. Das vierte Kapitel bewegt sich "Auf den Spuren der ältesten Sprachen" Eurasiens und Afrikas und ihren modernen Rückzugsgebieten. Eine zweiseitige Aufzählung nennt die vor-indoeuropäischen Sprachen des gesamten Mittelmeerraumes, dazu gibt es eine Karte, auf der alle ausgestorbenen Sprachen, also auch indoeuropäische und afroasiatische, dieses Raumes eingezeichnet sind. Zu den überlebenden vor-indoeuropäischen Sprachen zählen die autochthonen Idiome des Kaukasus und das Baskische, das in einem Fokus mit den altmediterranen Sprachen behandelt wird. In Asien zählen vor allem die dravidischen Sprachen und das Ainu, Afrika die Khoisan-Sprachen mit ihren eigenartigen Schnlazlauten (englisch: Clicks) zu den sogenannten "Altsprachen".
"Die Entstehung von Sprachfamilien" ist Gegenstand des fünften Kapitels. Einer tabellarischen, nach der Anzahl ihrer Einzelsprachen und dem hauptsächlichen Verbreitungsgebiet gelisteten, Übersicht aller Sprachfamilien folgt eine entsprechende Weltkarte. Mit einem Stammbaum der Konstitueneten der einer nostratischen und eurasischen Suppersprachfamilie versuchte der italienische Populationsgenetiker Cavalli-Sforza im jahre 2000 fast alle Sprachen der Welt zuammenzuführen. Besonders interessant sind die Konvergenzvprozesse "alter" und "neuer" Sprachen auf dem indischen Subkontinent, die auch auf einer Karte wiedergegeben sind. Mit 88 Seiten bildet das sechste Kapitel, um "Die Indoeuropäische Sprachfamilie" den Schwerpunkt des Buches. Der Bogen spannt sich von der Frage nach der Urheimat, den Bauplänen des Proto-Indoeuropäischen (Satem- und Kentumzweig), die sprachlich-kulturelle Indoeuropäisierung Europas bis zur Ausgliederung regionaler Sprachzweige, wie bespielweise dem Albanischen, Keltischen, Germanischen, Tocharischen usw. Für jeden dieser Sprachzweige gibt es einen eigenen Abschnitt. Der Ausgliederung und Entwicklung des Deutschen ist ebenso, wie dem Thema "vom Lateinischen zu den romanischen Sprachen", ein Fokus gewidmet. Sprachen in Verbindung zu Technologien, wie die Ausbreitung des Ackerbaus, der Eisenverabeitung oder ihre Rolle bei Kulturkontakten und der Verbreitung von Schriftsystemen sind Themata des achetn Kapitels. Ein Schaubild offenbart die wichtigsten Stationen der Alphabetenenwicklung im Votrderen Orient, Europa und Südasien. Nach Pidgins- und Kreolsprachen, den Nachzuüglern der Neuzeit in Kapitel neun, befasst sich das letzte Kapitelmit der "Gegenwart und Zukunft der Sprachen". Überlegungen zur sprachlichen Dynamik in Europa folgen Trends und Prognosen zum Fragen zum "Wachstum der Großen" und "Untergang der Kleinen" in der Sprachenvielfalt des Globalisierunsgprozesses.
Den Abschluss des Bandes bildet ein 41seitiger Anhang mit einer umfangreichen Bibliographie - zu der Haarmann alleine mehr als zwei Seiten als eigene Quellen beisteuert - und ein Register der Sprachen und Sprachfamilien. Mit seiner " ist dem dem Preisträger des "Prix logos" der Association européenne des linguistes et des professeurs de langues (1999), des "Premio Jean Monnet" (1999), der "American Medal of Honor" (2002) und des "Plato Award" (2006) wieder einmal ein "glottologisches" Standardwerk zum Lesen und Nachschlagen gelungen. 5 Amazonsterne.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. November 2010 | | |
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