Fast Food, Fast Women
von Anna Thomson


 
Rezensionen:
> Nach Sue und Fiona, diesen einmal in Moll und einmal in Dur erklingenden Porträts weiblicher Selbstzerstörung, überrascht der letzte Teil von Amos Kolleks New-York-Trilogie. Auch in Fast Food, Fast Women spielt die so grazile wie exhibitionistische Anna Thompson die Hauptrolle. Doch viel mehr verbindet diese Komödie auch nicht mit ihren Vorgängern. Herrschte in diesen ein auf seine Art faszinierender, aber eben auch völlig niederschmetternder Realismus vor, waltet hier nun die Milde eines Märchens.

Das Radikale an Sue und Fiona war die Ausschließlichkeit, mit der Kollek seinen (Anti-)Heldinnen folgt. Es gibt in diesen Filmen einfach keine Alternative und auch keinen Kontrapunkt zu den masochistischen Exzessen und der Hilflosigkeit ihrer Titelfiguren. In Fast Food, Fast Women öffnet sich der Blick für ein Panorama des Lebens in Downtown New York. Die von Anna Thompson verkörperte Kellnerin Bella ist nur eine unter vielen Einsamen, die alle ein bisschen Glück und Wärme suchen. Mehrere Jahre lang hatte sie eine Affäre mit einem viel älteren Broadway-Regisseur, der immer nur versprochen hat, dass er seine Frau verließe. Da Bella sich nach einer festen Beziehung und einer Familie sehnt, trifft sie sich mit dem als Taxifahrer arbeitenden Schriftsteller Bruno (Jamie Harris), den seine Frau mit zwei Kindern sitzen gelassen hat. Nur gesteht Bella ihm aus Angst nicht ihre Sehnsucht und gibt stattdessen vor, keine Kinder zu mögen.

Wie schon in den ersten Teilen der Trilogie schaffen sich die Menschen auch hier ihre Probleme zum größten Teil selbst. Sie verschwenden Gedanken darauf, was die anderen vielleicht über sie denken und von ihnen erwarten, und verlieren dabei jede Spontaneität. Die Irrungen und Wirrungen, die daraus erwachsen, sind aber vor allem komisch. Man lacht über Bellas Neurosen und die Ticks der alten Männer, die sich jeden Tag in dem Diner treffen, in dem die Kellnerin seit Jahren arbeitet. In diesem Lachen liegt nichts Bösartiges, es wirkt vielmehr befreiend. Amos Kollek hält den modernen Großstadtneurotikern wie einst Woody Allen, den er immer als sein großes Vorbild nennt, einen Spiegel vor. --Sascha Westphal
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