Germanische Sprachen. Ein vergleichender Überblick (Broschiert)
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Das Buch, das einen knappen Überblick über die germanischen Sprachen liefern will, hat vor allen Dingen drei Mängel:
1. Es werden gerade im ersten Kapitel, in dem das Germanische an sich in seiner Entstehung und einzelsprachlichen Ordnung beschrieben wird, zu wenige und veraltete Theorien vorgestellt. Wer heute immer noch die Stammbaumtheorie als einzige Theorie zur Ausdifferenzierung des Indogermanischen vorstellt, ist nicht auf dem neuesten Stand. Wer der Einteilung der germanischen Sprachen in Nord-, West- und Ostgermanisch nicht noch andere Einteilungsmöglichkeiten (Nieder- vs. Hochgermanisch; Ingväonisch - Istväonisch etc) zur Seite stellt, verwehrt dem Leser die Möglichkeit, sich differenziert mit der Frage zu befassen.
2. Einige Aussagen im Text sind falsch oder zumindest missverständlich. Die "Benrather Linie" als Isoglosse u.a. für 'maken-machen', 'dat-das', 'Tid-Zeit' (S. 64) zu beschreiben ist einfach falsch. Im Anhang (S. 148) zu schreiben, die Isoglosse splittere sich "westlich des Rheins" in den so genannten Rheinischen Fächer auf, ist keine adäquate Lösung der falschen Darstellung. Isoglossen splittern sich nicht auf, sie schließen sich höchstens zu Bündeln zusammen, so wie die Benrather Linie deutlich östlich des Rheins mit den Isoglossen, die Grenzlinien für 'dorp-dorf', 'wat-was' oder 'appel-apfel' darstellen.
3. Die Darstellung der syntaktischen Besonderheiten mit den Mitteln der generativen Grammatik ist meiner Ansicht nach nicht gelungen. Unklar bleibt z.B. der Unterschied zwischen einer NP und einer DP (wieso ist z.B. - S. 110 - in abbildung (5) "einen Brief" keine DP?). Die in diesem Zusammenhang zentrale Behauptung die "Nominalphrase [...] in den heutigen germanischen Sprachen [sei] eine Determinatorenphrase mit obligatorischem Artikel" (S. 132) ließe sich mit Hilfe hunderter Gegenbeispiele widerlegen. Man denke alleine an Pronomen als NP, die obligatorisch ohne Artikel gebraucht werden. Es drängt sich hier der Eindruck auf, dass die Bestimmung der Phrasen alleine aus theoretischen Gründen erfolgt. Ein erklärendes Potential, wie man es vielleicht von einem generativen Ansatz erwarten würde, sucht man an dieser Stelle vergebens.
Fazit: Sollten Sie sich umfassend über Germanische Sprache informieren wollen, schauen Sie bei Hutterer "Die germanischen Sprachen" nach. Diese Darstellung ist zwar schon 30 Jahre alt, sie ist aber dennoch dem Buch von Speyer vorzuziehen.
Eine Rezension von Klabaaz "klabaaz"
vom 31. Juli 2007
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