Quasi dasselbe mit anderen Worten: Über das Übersetzen


 
Palimpsest
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(TOP 1000 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Quasi dasselbe mit anderen Worten: Über das Übersetzen (Gebundene Ausgabe) Ein Palimpsest ist "ein Pergament, auf dem die erste Beschriftung abgeschabt worden ist, um eine neue darüberzuschreiben, aber so, dass die alte darunter noch schemenhaft zu erkennen ist" - auf metaphorischem Weg nähert sich Umberto Eco, Professor für Semiotik an der Universität Bologna und vor allem bekannt durch seinen Roman "Der Name der Rose", dem Handwerk des Übersetzens. Eco will weniger eine vertiefte Theorie des Übersetzens entwickeln, als vielmehr seine eigenen Erfahrungen als Lektor, Übersetzer und schließlich auch übersetzter Autor vorlegen. Seit 1983 beschäftigt er sich mit dem Thema und das Buch, bereits 2003 im Italienischen erschienen, stellt eine Sammlung seiner Aufsätze und Vorträge in überarbeiteter und erweiterter Form dar.
An der Publikation - selbst eine Übersetzung - werden allerdings auch die Herausforderungen des Übersetzens deutlich: wenngleich das Buch auch an ein nichtspezialisiertes Publikum gerichtet ist, so sind die Beispiele aus der Weltliteratur und aus Ecos eigenen Werken aus sechs verschiedenen Sprachen geschöpft zwar unterhaltsam, bleiben über längere Strecken aber leider nur dem polyglotten, insbesondere dem italienischsprachigen Leser einsichtig.
"Im Gott, der anfing, stellte den Himmel und die Masse und die Masse war ohne Formular" - eine Übersetzung auf synonymer Basis, wie hier mittels eines Computerprogramms, macht wenig Sinn. Treue zum Text kann und muß bisweilen Untreue zur Wörtlichkeit sein. Kultureller Kontext und Eigenart des Ausgangstextes sowie die Intention seines Autors sind ebenso zu beachten wie die Kultur und sprachlichen Erwartungen des Lesers an den Zieltext. Übersetzen meint Sinnrekonstruktion und angesichts der Schwierigkeit bei Wortspielen und Sprachfärbungen spricht Eco von einem Verhandlungsprozess, "aus dem die Parteien am Ende mit einem Gefühl vernünftiger wechselseitiger Befriedigung herauskommen sollten, geleitet vom goldenen Prinzip, dass man nicht alles haben kann." Insbesondere bei poetischen Texten mit Versmaß und Reim wird dies deutlich - eine Übersetzung darf keine Textbereicherung, etwa bei bewusst mehrdeutigen Wendungen, sein. Auch bei der Übertragung von einem Medium in ein anderes, etwa bei der Verfilmung von Literatur, stellt dies eine Schwierigkeit dar.
Realistisch, aber auch herausfordernd schließt Eco dann auch sein Sammelsurium, seine Tour de Babel: "Wenn man ein beliebiges Wörterbuch aufschlägt, wird man unter den Synonymen für Treue kaum die Vokabel Exaktheit finden. Man findet dort eher Loyalität, Gewissenhaftigkeit, Achtung, Hingabe."
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. September 2008
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