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| Ware Frau: Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa
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Die moderne Sklaverei
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Ware Frau: Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa (Gebundene Ausgabe) "Menschenhandel - das klingt nach US-Krimi und Kinoleinwand. Doch Menschenhandel ist traurige Realität mitten unter uns." schreiben die Autorinnen Corinna Milborn und Mary Kreutzer bereits im Vorwort ihrer eindrucksvollen Reportage "Ware Frau" und verweisen dabei auf eine ungern gesehene meist ausgeblendete Schattenseite unserer Gesellschaft, das Geschäft mit billigen Sex.
Der Bedarf ist groß und die Rede ist dabei nicht von Nobeletablissements oder bestimmten Callgirl-Ringen, sondern der brutalsten und menschenunwürdigsten aller Varianten der Prostitution, dem Straßenstrich. Auch im Sexbusiness scheint es so zu sein dass gerade für die günstigsten Angebote der größte Markt besteht und so sind es Afrikanerinnen die immer öfter am Strich anzutreffen sind und von deren Schicksal diese Reportage schildert, denn im europäischen Raum führend sind dabei nigerianische Mädchenhändlerringe aus der Gegend um Benin City. Doch die betroffenen Frauen lassen sich keineswegs aus freien Stücken zu solchen Erniedrigungen zwingen, es sind unglaubliche Zwänge und Existenzängste die sie oft auf eine wahre tödliche Odyssee durch die Wüste treiben und die oft mit Versprechen von Geld beginnen, ob nun durch ein Studium, einen Job oder eine aussichtsreiche Heirat mit einem europäischen Mann. Die Familie in der Heimat braucht Geld und mit eigenen Juju-Ritualien (Voodoo) werden die Mädchen und Frauen darauf eingeschworen ihre künftigen Häscher nicht zu verraten, eine Maßnahme die durch körperliche Gewalt und Morddrohungen an der eigenen Familie noch verstärkt werden kann.
Mit der Aktivistin Joana Adesuwa Reiterer haben Kreutzer und Milborn teils undercover ermittelt und neben Opfern auch Täter wie die Schieber, Freier und Beamte befragt, um verschiedene Blickwinkel zu eröffnen. Wer dachte die Sklaverei und Ausbeutung Afrikas wäre längst überwunden hat sich wohl einem ignoranten Schein hingegeben, denn am Handel mit der Ware Frau erkennt man deutlich das Gegenteil. Und selbst die vertrauten Schemen von Gut und Bösen greifen beim afrikanischen Frauenhandel nicht, Opfer werden Täterinnen, das Netzwerk wird sogar größtenteils von Frauen, den Madames betrieben und diese haben sich nicht selten durch eine Art Franchise-System selbst etabliert. Die moderne Sklaverei prahlt nicht mit Reichtum, kennt kaum die Hierarchien der Mafia und stützt sich auf viele Menschen, die im Endeffekt was sie verdienen zum Überleben benötigen. Doch all das verdeckt den Blick auf die Opfer, welche für ihr Leben traumatisiert und ausgebeutet werden.
10 Milliarden Euro werden an Menschenhandel allein im EU-Raum jährlich verdient und wer den Blick in diesen Sumpf aus Ignoranz, Korruption und Rassismus wagt sollte erkennen wie wenig von staatlicher Seite bisher getan wurde und getan wird, um etwas hiergegen zu unternehmen. Das "System" der europäischen Migrationspolitik unterstützt oft sogar noch jenes der Profiteure, indem die Abschiebung oft genau dann erfolgt, wenn die Opfer ihre Schulden gerade abbezahlt haben. Auch die vermeintlichen Ritter in weißer Rüstung entpuppen sich zuweilen als Peiniger, wenn sie mit häuslicher Gewalt die "freigekauften" Frauen als ihr "Eigentum" für sich beanspruchen.
Die Beispiele sind zahlreich und oft derart bestürzend dass dem Leser und der Leserin schon übel werden kann, wenn man von den in "Ware Frau" dargestellten Fällen erfährt, die zuweilen nur die Spitze des Eisbergs sind. Der Schock sitzt nach der Lektüre tief, weniger weil man von für unmöglich gehaltenen Praktiken und Vorgängen erfährt, sondern weil einem die Augen geöffnet werden für das Versagen der Menschenrechte. Irgendwie bleibt das Gefühl es schon vorher geahnt, doch bewusst die Augen verschlossen und die Möglichkeiten ignoriert zu haben. Besonders die Berichte der Freier haben es in sich, der Endverbraucher als Konsument ist es nämlich der wirklich im Stande ist Angebot und Nachfrage zu bestimmen und somit ist er auch in letzter Konsequenz der Täter.
Fazit: Augenöffnend und verstörend, eine brisante Reportage über den modernen Sklavenhandel in der Europäischen Union.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. März 2008 | | | | | | | |
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