Ware Frau: Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa


 
Spannend wie ein Krimi - aber leider alles andere als Fiktion
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Ware Frau: Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa (Gebundene Ausgabe) Das Thema des Buches: Frauenhandel von Nigeria nach Europa, ist bestimmt kein einfach zu bearbeitendes, darüber sind sich die Autorinnen bewusst. Sie schreiben trotzdem darüber und tun dies reflektiert und in der Überzeugung, dass Wegsehen jedenfalls keine Probleme löst. Dabei ist eine Mischung aus Reportage, Biographien und Sachbuch entstanden, welches Einblicke gibt in einen bestimmten Teil des Phänomens" Frauenhandel und Prostitution.
Die Autorinnen lassen keinen Zweifel daran, dass Frauenhandel vor allem ein Problem des Nordens" ist, ein Problem, dessen Ursachen in der ungleichen Verteilung der Ressourcen zwischen Europa und Afrika liegt, in den post-kolonialen Strukturen, der steigenden Nachfrage nach billigem Sex, und nicht zuletzt in der immer restriktiver werdenden Migrationspolitik der europäischen Staaten. Die verstärkte Kontrolle der EU-Außengrenzen bei gleichzeitiger verstärkter Nachfrage nach der Ware" Frau hat das massive Anwachsen von kriminellen Strukturen nicht nur begünstigt, sondern auch (mit-)produziert. Ebenso wird die Rolle von Polizei und Justiz in europäischen Staaten beleuchtet, welche dem Phänomen Frauenhandel den Autorinnen zufolge nicht entsprechend begegnen. Anstatt die Opfer zu schützen, beispielsweise durch eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, werden sie kriminalisiert, verhaftet und abgeschoben.

Dem Vorwurf der Einseitigkeit in der vorangegangenen (amazon-)Rezension kann ich mich nicht anschließen. Die Absicht des Buches ist für mich sehr deutlich: es geht nicht darum die Frauen in eine Opferrolle zu drängen und ihnen ihre Selbstbestimmung abzusprechen, sondern die Mechanismen, Netzwerke und Ausbeutungssituationen aufzuzeigen, in die viele junge Frauen gedrängt werden. Selbst wenn einzelne Frauen wissen, dass sie in Europa kein Job als Tellerwäscherin erwartet, kann nicht von Selbstbestimmung gesprochen werden, wenn multiple Erpressungsmechanismen wie physische und psychische Einschüchterung der Frauen sowie ihrer Familien in Nigeria oder ein Voodoo-Zauber" zum Tragen kommen.
Es geht in dem Buch schließlich darum, global wirkende Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus und ökonomische Ungleichheiten aufzuzeigen, welche den Rahmen dafür bieten, in welchem Frauen zur Ware werden.

Für mich ist dies eine ausgezeichnet recherchierte Reportage mit viel Hintergrundwissen und packenden Beispielen, die weniger auf die Tränendrüse drücken, als vielmehr die strukturellen Ursachen und Bedingungen von Frauenhandel deutlich machen und konkreten Handlungsbedarf aufzeigen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 18. April 2008
Kundenrezensionen:
3. Spannend wie ein Krimi - aber leider alles andere als Fiktion (die aktuell angezeigte Rezension)
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