Sky Blue Sky
von Wilco


 
Rezensionen:
Na gut , es ist schon ein bisschen gemein zu sagen, dass unzählige Musiker ihre besten Songs dann schrieben, wenn sie sich im Vollrausch befanden, von Panikattacken und Depressionen geplagt oder drogensüchtigen, pillenschluckenden Geistern getrieben wurden. Jeff Tweedy, der Kopf der 1994 aus Uncle Tupelo hervorgegangenen Wilco, hat seine Dämonen weggesperrt, sie in einer Suchtklinik ausgetrocknet und all das ist dem wunderbar entspannten, lässigen und unspektakulären AlbumSky Blue Skyjederzeit anzuhören. Selten klang die Gruppe aus Chicago so wenig sprunghaft, so fixiert auf Country, Folk, Alternative und Americana. ?Mein Job ist es eben, spannende Musik zu machen und nicht, zu erraten, was einen Durchschnittsradiohörer am wenigsten beim Bügeln stört." hat Tweedy mal bei einem Interview geknurrt.Sky Blue Skymit seinem positiven Albumtitel nun kommt mit wenigen Eruptionen aus, die Widerhaken und Störfaktoren fehlen genau wie auch irrwitzige Soundexkursionen und Lärmorgien. Dafür dominieren klare Strukturen und Songs mit Westcoast-Querverweisen wie Southern-Rock-Elementen (Grateful Dead, Allman Brothers). Die Arbeit des fälschlicherweise als Klangquertreiber einsortierten Jim O?Rourke beschränkt sich diesmal auf sonnige Streicherarrangements. Und doch sind die Stücke trotz einer neuen Leichtigkeit zu fein, um sie im Vorbeigehen wahrzunehmen, denn dafür ist Jeff Tweedy auch nach einer offensichtlich überwundenen Krise ein zu ernsthafter Textschreiber.

--Sven Niechziol

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