The Virgin Suicides [UK IMPORT]
von Kathleen Turner


 
Rezensionen:
> Eine seltsame Stimmung muss das Leben der Familien in den amerikanischen Vorstädten der 70er Jahre geprägt haben -- eine Stimmung zwischen Aufbruch und Abschottung, zwischen konservativem Beharren und zaghaftem Freiheitsdrang, wie sie Ang Lee in Der Eissturm heraufbeschworen hat. Diesem düsteren Wintermärchen hat nun Sofia Coppola mit The Virgin Suicides ein nicht minder düsteres Sommerstück zur Seite gestellt. Herrschte bei Ang Lee eine eisige Kälte, die die Familien erstarren und zerbrechen ließ, bestimmt hier eine ebenso unnatürliche und gefährliche Wärme das familiäre Klima.

Mr. und Mrs. Lisbon (James Woods und Kathleen Turner) lieben ihre fünf Töchter, doch sie können nicht mit den Sehnsüchten und Regungen der pubertierenden Mädchen umgehen. In ihrem Wunsch, die fünf zu beschützen, erdrücken die beiden sie. Als die Jüngste versucht, sich umzubringen, soll sich alles ändern. Nur ist die neue Freiheit, die Mr. und Mrs. Lisbon ihren Töchtern schenken, keine, und so gelingt der zweite Selbstmordversuch. Von diesem Moment an kann alles nur noch schlimmer werden.

The Virgin Suicides, Sofia Coppolas Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jeffrey Eugenides, ist die Geschichte eines dunklen Mysteriums, erzählt wird sie von einem der vielen Jungen, die damals, in den 70ern, in die Lisbon-Mädchen verliebt waren. Noch mehr als 20 Jahre später kann er nicht verstehen, warum die fünf sich umgebracht haben. Der Film liefert dann zwar über seine Bilder und seinen Blickwinkel auf die Lisbons einige Ansätze für Erklärungen, aber auch sie können letztlich kein Licht in das schreckliche Dunkel dieser Familie bringen. Sofia Coppola ist auch gar nicht darauf aus, das Rätsel zu lösen. Ihr geht es um Stimmungen, um die Extreme zwischen denen Teenager hin und her schwanken. So lösen sich unbändige Lebensfreude und verzweifelte Todessehnsucht ständig ab.

Der Film sammelt Impressionen aus dem Leben in der Vorstadt, die sich dann zu einem hypnotischen Stimmungsbild zusammenfügen. Zugleich lässt Sofia Coppola ihren Darstellern die Freiheit, sich mit ganz unterschiedlichen Mitteln -- so weit es geht -- in das Innenleben vorzutasten. So wird The Virgin Suicides auf Grund des sensiblen Spiels von Kirsten Dunst als feenhafte Lux und James Woods', der hier als innerlich schwacher Mathematiklehrer mit all seinen typischen Manierismen bricht, auch zu einem überragenden Schauspielerfilm. --Sascha Westphal
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