Satansbraten
von Kurt Raab


 
Rezensionen:
> Die neue, für die DVD erstellte Abtastung des Films gleicht einer Offenbarung. Die leuchtenden Farben und die atemberaubende Schärfe der Bilder lenken den Blick des Zuschauers hier verstärkt auf Fassbinders Ästhetik, deren subtile Schönheit in einem faszinierenden Kontrast zu der äußerst drastischen Geschichte steht, die Satansbraten erzählt. Durch den erstklassigen Transfer nimmt man den unglaublich wütenden und verzweifelten Film noch einmal ganz anders wahr. Es offenbaren sich bezaubernde Nuancen und eine poetische Grundstimmung, die einen dieses Zeitdokument als zeitloses Kunstwerk wahrnehmen lassen.

An Extras bietet die erste Disc nur den Original-Trailer, eine Reihe von Aushangfotos und ein paar eingesprochene Biografien. Diese sind -- und das gilt auch für die anderen Titel der Fassbinder-Collection -- sehr ausführlich und in der Regel recht informativ. Die Biografien sind wie immer mit einigen Szenen aus dem Film unterlegt. Diese an sich sehr nette Idee, die die sonst doch eher steifen Text-Specials etwas auflockert, hat nur den einen Nachteil, dass die Schrift die Bilder so sehr überlagert, dass man kaum etwas von ihnen wahrnehmen kann.

Die Bonus-DVD wartet mit zwei echten Fundstücken auf. Zum einen findet sich auf ihr Fassbinders erster erhaltener Kurzfilm Der Stadtstreicher; zum anderen kann man hier mit Juliane Lorenz' selten gezeigter Dokumentation Life, Love & Celluloid. A Journey and a Film Retrospective eine wahre Entdeckung machen. Der 1966 entstandene Kurzfilm ist Fassbinders Hommage an Eric Rohmer und damit vielleicht der französischste seiner Filme. Man spürt hier eine Nähe Fassbinders zu den anderen jungen Münchner Regisseuren seiner Zeit, zu Rudolf Thome und Marran Gosov, die in seinen späteren Filmen kaum mehr wahrzunehmen ist. Zugleich rückt er schon hier einen Außenseiter ins Zentrum seines Kinos und führt den Zuschauer mit dessen Odyssee durch ein kaltes, abweisendes München in das Universum ein, das er dann in seinen späteren Spielfilmen immer weiter ausbaut.

Der zirka 90 Minuten lange, aber ungeheuer kurzweilige Dokumentarfilm Life, Love & Celluloid ist 1997 im Zuge der kompletten Fassbinder-Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art entstanden und eröffnet noch einmal eine ganz andere, internationalere Sicht auf Rainer Werner Fassbinder und sein Werk. In Gesprächen mit Schauspielern, Kuratoren, Filmwissenschaftlern und Emigranten entwirft die langjährige Fassbinder-Mitarbeiterin Juliane Lorenz ein Bild von unserer heutigen Filmlandschaft, in der Fassbinders viel zu früher Tod eine Lücke hinterlassen hat, die immer noch nicht geschlossen werden konnte. --Sascha Westphal
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